Leseprobe

Tagebuch einer Irlandfahrt
Irlandfahrt der Wandergruppe 1965
von Britta und Hans Weiss


Im Wir hatten auf diversen Fahrten schon erfahren, dass wir uns auf uns auf uns selbst und uns - alle miteinander - verlassen konnten. Die Wandergruppe war gut zusammengewachsen. Lampes Vorschlag im nächsten Sommer eine große Irlandfahrt zu machen, wurde stürmisch begrüßt im Herbst.

Im Winter wurde auf den Heimabenden von dem alten Irland und der keltischen Kultur gelesen und vorgelesen. Wie dann das Christentum so nahtlos, wie sonst nirgends an die frühere Kultur als deren Fortsetzung sich anschloss... Das Frühjahr brachte schon Proben mit "unserer" Bach-Motette Jesu, meine Freude.

Aber wer organisiert eigentlich ganz konkret unsere Reise? Ein Vater, dessen 3 Söhne mit auf die Fahrt kommen wollten, übernahm endlich die Planung (+ Job-Vermittlung zur Finanzierungshilfe): Eisenbahn nach Holland, Fähre nach England, Eisenbahn durch England, Fähre nach Irland, Ankunft in Dun Laoghaire (wie bitte?). Ans Fliegen dachte damals natürlich keiner.

Und schließlich waren auch alle Fahrkarten da und es ging los. Es gab neben einer Wunschroute durch Irland auch Fixpunkte zur Übernachtung in originellen aber unkomfortablen Youth Hostels. Das Leben im Freien war da unbedingt vorzuziehen: Wandern bis es Zeit war, einen Platz für die Koten zu suchen.

Der war bald gefunden. Eingekauft war schon bei Wege lang. Jeder teilte sich ein zum Wasser holen, Holz sammeln, Kotenaufbauen, Kochen usw. Jetzt noch den Schlafplatz sichern. Bis zum Essen war immer noch Zeit zum Singen. Nach dem Essen begann ein langer Abend (wer ist denn schon müde?)

Einige Erlebnisse sind mir filmartig im Gedächtnis geblieben, z.B. als wir eine Einsiedelei in Glendalogh aufsuchen wollten, eine kleine Höhle mitten in einer steilen Felswand über einem See. Es gab keinen Weg zu der Höhle - "der alte Heilige wird schon gewusst haben, wie er dort hin kommt, also finden wir auch dahin", sagte Lampe.

Erst schlängelte sich eine Art Wildwechsel die Felskante aufwärts, verlor sich aber im Buschwerk. Wir orientierten uns an der immer schroffer und steiler werdenden Felskante nach oben. Irgendwo musste doch jetzt an der Felswand, die senkrecht zum See abfiel, ein Zugang zur Höhle führen.

Einige hatten sich schon kundig gemacht und meinten den alten Zugang gefunden zu haben. Ich hatte furchtbare Angst. Ich war bei den Letzten in der Reihe. Lampe, der weit vorne war, kam zurück um nach anderen Zugängen oder nach uns zu sehen. Ich sagte, dass ich lieber einen Umweg über den Felsen machen wollte (nicht in die Höhle)." Unsinn", sagte Lampe, "wir gehen alle zusammen, so wie man am Berg geht: 3 Punkte fest, einen zum Weitersuchen." "Wie?" "Entweder beide Füße und eine Hand sind fest, dann sucht die 2. Hand den nächsten Halt - oder umgekehrt: 2 Hände und ein Fuß sind fest, dann sucht der 2. Fuß weiter."

Damit war er auch schon wieder weiter - die anderen überholend - nach vorne geklettert. Mir schlotterten die Knie. Ich fand nach obigem Prinzip tatsächlich meinen Weg in der Reihe der anderen, wo wir uns die Vorsprünge, die uns an der steilen Wand Halt gaben, nacheinander zeigten.

Nach unten habe ich nur einmal gesehen und nie wieder. Irgendwann gelangte jeder an den Punkt oberhalb der Höhle, von wo aus man mit einer Drehung und Hilfestellung in das Innere gelangen konnte. Die Höhle war so eng, dass nur einer zur Zeit in der Hocke darin Platz fand.


...mehr im dem Buch »Auf dem Weg« Erscheinungsdatum: 12.12.2008
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