Leseprobe

Erinnerungen an die Finnlandfahrt von Artaban vor 20 Jahren
von Frauke Noga

Wenn ich an die Finnandfahrt zurückdenke, die wir damals machten, bekomme ich immer noch ein etwas merkwürdiges Gefühl in der Magengegend. Einerseits war es ein ziemliches Himmelfahrtskommando, andererseits ein unvergessliches Erlebnis. Ich war fünfzehn Jahre alt und schon ein paar Jahre "wandergruppen"- und "lampierfahren".

Da ich damals zur Waldorfschule in Hannover-Bothfeld und ausgerechnet in die erste Klasse ging, die dort später Abitur machen durfte, gehörte ich dort auch zu den ersten Schülern, die Lampi in die Geheimnisse der Wandergruppe einführte. Vorher war er für mich "nur" mein Kunst-und Musiklehrer gewesen. Jetzt lernte ich ihn von einer ganz anderen Seite kennen. Die Finnlandfahrt stellte die Fortsetzung der verschiedenen Lager und Fahrten dar, die ich bis zu diesem Zeitpunkt mit Lampi erleben durfte.

Wir waren 27 Jugendliche, die im Sommer 1987 nach Finnland aufbrachen. Dazu gehörten Jugendliche der beiden Waldorfschulen in Hannover und einer Waldorfschule in Kiel. Außer Lampi fuhr außerdem ein Vater aus meiner damaligen Klasse mit. Mit der Finjet, einer großen Fähre, ging es von Travemünde nach Helsinki. Diese Überfahrt war allein schon ein Erlebnis für sich. Mit einem so großen Schiff waren sicherlich damals nur sehr wenige von uns vorher gefahren. Da wir keine Kabinen hatten und die Fahrt über Nacht ging, schliefen wir an Deck.

Die Nacht war sternenklar, feucht und kalt. Wir hatten uns aufs Achterdeck gelegt, da dort besonders wenig Leute waren. Natürlich hatte keiner von uns daran gedacht, wie viel Ruß zwei riesige Schornsteine in einer Nacht ausstoßen und uns dabei berieselten. Das störte uns alle jedoch weniger. Wir hatten unseren Spaß am Tanzen- Platz war ja genug da- und außerdem konnte der Ruß im Schwimmbecken des Schiffsbauches abgewaschen werden. Auch dies ein Erlebnis für sich, bei dröhnenden Schiffsmotoren im vibrierenden Wasser zu tauchen.

Helsinki begrüßte uns bei strahlendem Sonnenschein. In Erinnerung geblieben ist mir, dass die Finninnen auch bei 20°C schon sehr leicht bekleidet herumlaufen. Unsere Fahrt in den Norden ging dann weiter- wieder durch die Nacht, aber dieses Mal im Zug. Es gab wenig Platz, um sich lang auszustrecken. Wer dies wollte, kletterte in die Gepäcknetze über den Sitzen.

In Deutschland undenkbar, aber für die Finnen schien dies kein Problem zu sein. Unsere Fahrtzeit wurde verkürzt durch vielfältige Aktivitäten, die meist musikalischer Art waren. Mit auf Tour waren einige, die sowohl Balalaika als auch Geige spielen konnten. Mehrstimmig singen war schon immer eine Leidenschaft von Lampi und uns. So erweiterten wir auf diesen Fahrten jeweils unseren Liederschatz um einige Lieder. Dieses Mal natürlich auch um finnische Liedgut.

...mehr im dem Buch »Auf dem Weg« Erscheinungsdatum: 12.12.2008
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