Leseprobe

Gretel, Gretel, liebes Gretelein....
Wie Gretel beim Rechnen in der Kleinklasse hilft
von Sibylle Raupach

August 1994. Ich darf die dritte Kleinklasse übernehmen. Unter uns noch die zweite kleine Klasse und bald soll die neue erste Kleinklasse eingeschult werden. Es gab noch die vierte Klasse von Frau Nieuhoff über uns und die ganz Großen, die erste Vorreiterklasse.

So lernte ich nach und nach die Bothfelder Waldorfschule von innen kennen. Mir fiel unter anderem als bemerkenswert auf, dass die Schüler in den Pausen zeitweise mit großer Eile in den Unterstufenhof strebten.

Von dort hörte man "Gretel, Gretel, liebes Gretelein..." singen und verschiedene andere rhythmische Klänge und sah Herrn Lampasiak mit schwungvollen Bewegungen nicht nur die Gitarre spielen, sondern auch noch alle nötigen Angaben für dies Pausenvergnügen organisieren: Es kamen in jeder großen Pause eine Schar von Schülern zusammen, die Volkstänze lernten und stets enttäuscht, aber gut bewegt waren, wenn die Pause endete.

(Ein weiterer, bleibender Eindruck meiner ersten Bothfeldmonate bezieht sich auf die Zeit nach solch einer Pause: Herr Lampasiak fährt mit dem Fahrrad über das Schulgelände, was natürlich weder Schülern noch Lehrern erlaubt ist während der Schulzeit: Auf dem Rücken die Gitarre, auf dem Gepäckträger einen Kassettenrekorder, unterm Arm ein Stück Holz. Alles wichtige Utensilien für die nächsten Unterrichtstunden. Wie hätte er, ohne das Rad zu benutzen, pünktlich die nächste Stunde beginnen können....)

Die bunte Blüte am Stamm des Waldorfbaumes
Als eine Gruppe von Menschen 19.. sich zusammenfand und eine zweite Waldorfschule im Raum Hannover gründen wollte, war schon sehr bald klar, dass sich diese Schule eher am Stadtrand befinden sollte und die vier Elemente als Erlebnisbereich für die Schüler mit einbezogen werden sollten.

(Aufgrund des naturnahen Schulhofes, der sich bei langanhaltendem hannoverschen Regenwetter immer wieder in die Bothfelder Seenplatte verwandelt, wurde der Spruch geprägt: Woran erkennt man einen Lehrer der Bothfelder Schule? An blanken Augen und ungeputzten Schuhen!). So wuchs die "bunte Blüte am Stamm des Waldorfbaumes" heran, wie zur Einweihung der Bothfelder Schule ein Vertreter des Bundes der Waldorfschulen sagte.

Aber es entstand auch sehr schnell der Gedanke, dass man besondere Aufmerksamkeit auf Schüler richten wollte, denen es nicht so leicht fällt zu lernen. Aus der Aufnahme wurde schon lange berichtet, dass immer wieder Kinder angemeldet werden, deren Eltern unbedingt den Unterricht in einer Waldorfschule für ihr Kind wünschen, aber aus den unterschiedlichsten Gründen es für diese Kinder nicht ganz einfach sein würde, in einer großen Klasse mit vielen Mitschülern genug Ruhe und Zeit zu haben, um eigene Lernfortschritte zu machen.

Der Kleinklassenzug
Unterstützt durch die Schule am Maschsee und die Freie Martinsschule konnte in einer gemeinsamen Konferenz 1985 festgestellt werden, dass ein Kleinklassenzweig in Hannover nötig wäre und dieser sich, mit finanzieller und ideeller Unterstützung der anderen Schulen, an die Bothfelder Schule angliedern sollte.

Nachdem sich ein Initiativkreis, an dem beide Lampasiaks maßgeblich beteiligt waren, regelmäßig traf, wurde im Herbst 1986 mit der ersten kleinen Klasse, der sogenannten Balkonklasse, begonnen. Da es für diese Klasse noch nicht die nötigen Anerkennungen gab, um sie finanziell tragen zu können, gab es zunächst eine Lücke in der Reihenfolge der Kleinklassen. Aber ab dem Jahr 1991 sollten jährlich neue erste Klassen dazu kommen.

Der Impuls, Kinder mit besonderen Schicksalen in Bothfeld zu unterrichten, kam noch einmal sehr konkret auf Peter und Brigitte Lampasiak zu. Als wir nämlich 1995 für die neue erste Klasse trotz langer Suche, keinen Klassenlehrer finden konnten, war es ein großes Glück, dass beide Lampasiaks sich entschlossen, diese wartenden Kinder aufzunehmen und eine gemeinsame Klassenführung begannen.

Dieses Teamteaching wurde schon im darauffolgenden Jahr aufgelöst, weil erneut ein Kleinklassenlehrer fehlte und Brigitte Lampasiak diese Klasse übernahm, so dass es nun zwei Lampasiaksklassen gab. Auch als beide von neuen Kollegen abgelöst wurden, waren Brigitte und Peter Lampasiak noch weiterhin den Kleinklassen sehr verbunden und standen mit Rat und Tat den Kollegen zur Seite.

...mehr im dem Buch »Auf dem Weg« Erscheinungsdatum: 12.12.2008
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